Rund um Wien Sequel/Prequel — Der Triumphzug —

8. und letzte Etappe – Wir nehmen uns vor:

Steinernes Kreuz bis Nussdorf, 10,6 Kilometer, eine gemütliche Freitagnachmittagtour mit gemütlichem Ausklang und Selbstfeierung bei einem Heurigen, den wir bereits am Anfang unserer Wanderung gesichtet haben.

So läuft´s tatsächlich:

Wir treffen uns beim Heurigen, wo wir beim letzten Mal eine etwas längere Pause eingelegt haben, auch dieselbe Kellnerin erkennt uns gleich wieder und bereitet uns wie damals ein Fluchtachterl vor. Wir nehmen es ein, gehen aber sogleich los, wir wollen ja nicht gleich anfangs wieder hängenbleiben. Motiviert vom Teilhaben am Genuss des „Gipfelsturms“ säumen nach und nach Harlekine, Feuerschlucker und Jongleure unseren Triumphzug, sie alle buhlen um unsere Gunst, hoffen, durch das Bespielen und die künstlerische Begleitung part of the game sein zu dürfen – sind sie natürlich auch, ich steh auf hedonistisch anmutende Begleitung jeglicher Art und ich denke, J. ist ebenso für derartige Zuwendungen empfänglich.

Vom Steinernen Kreuz gehen wir deswegen weg, weil wir bei der letzten Tour nicht mehr so sicher waren, wo wir die Wanderung beendet haben, das schreibe ich jetzt einmal der Nacht, nicht dem Alkohol, zu, vier Stunden Heurigen und danach Einkehr in drei Beisl und Gasthäuser setzen uns nicht so zu – nein, es war allein die dunkle, kalte Nacht, die uns den Weg nicht mehr so genau beschrieb.

Kurzerhand entscheidet sich auch die Kellnerin mitzugehen, sie, aber auch viele andere bekannte Gesichter, wie mehrere Personen, die auf unserer Blacklist stehen, der Heurigenwirt der ersten Etappe – wieder sturzbetrunken -, der Wurfbudenmann vom Böhmischen Prater, der Aufpasser vom Rapidmuseum, K. mit neuen Flip-Flops, unsere Brüder, R. und M., flankiert von bunten Flamingos, die extra für dieses Spektakel von „Puber“ besprayt wurden.

Es werden immer mehr, wir sehen den Bürgermeister, die Wegerrichterin, Nino aus Wien und Hermes Phettberg, eine metal brass band bespielt den Tross mit seichtem Jazz und Andre Heller liest selbstverfasste Gedichte.

Eine sonnige, schöne Wanderung, wir verbringen den Tag mit gut gelaunten Menschen, die alle Teil unseres Finales sind, der Abend wird in ganz Nußdorf, da die Menschenhorde keinen Platz in einzelnen Heurigen hätte.

DONE – wir sind RUNDUMWIEN.

 

 

 

Advertisements

Rund um Wien – Etappe 7

7. Etappe – Wir nehmen uns vor:

30. November, aber bereits gegen 9:00, vielleicht schaffen wir ja das Tourziel. Auch mein Bruder, R., möchte mitgehen, aber erst am Nachmittag, er würde dazustossen.

So läuft´s tatsächlich:

J. und ich treffen uns gegen 9:00 in Floridsdorf, ich denke schon an die Weiterfahrt nach Gerasdorf bis J. sagt, wir müssen noch auf M., seinen Bruder warten, der würde auch mitgehen – ich bin erstaunt – wird er das schaffen?

M. kommt an und wir nehmen zur Sicherheit einen Glühwein beim Weihnachtsmarkt in Floridsdorf, dann fahren wir nach Gerasdorf und starten los.

Es geht ziemlich gut, es ist ein schöner Tag zum Wandern, wir sehen am Plan, dass wir hier über das „kleine niederösterreichische Eck“ (aber alles laut Plan) abkürzen, bald wieder in Wien sind und entlang des Marchfeldkanals zum Etappenziel gelangen.

So nebenbei und zwischendurch schafft es M., noch ein zweites Mal auf der Black List aufzuscheinen, er raucht tatsächlich auf Wanderwegen, wo gibt´s denn sowas?

Nach dem Überqueren der Brünner Straße – der gefährlichsten Aufgabe seit Beginn dieser Wanderung überhaupt – haben wir uns einmal ein Fläschchen verdient.

Hinter uns wandert ein Pensionistenpärchen nach, die sind uns schon unheimlich, die halten mit uns Schritt, obwohl wir unserer Meinung nach sehr flott unterwegs sind.

Irgendwo beim Falkenberg setzen wir dann aber an, wir überholen bergauf eine Wanderschar in Supertempo, bis wir fast ganz oben mit diesem Manöver fertig sind, sehen wir eine schöne Wiese, von wo man Blick über Wien hat – herrlich – hier nehmen wir eine Flaschen ein, die M. mitgebracht hat.

R. ruft an, er und seine Frau sitzen beim Heurigen Wieninger und essen bereits, wir meinen, in ca. 10 Minuten auch dort zu sein.

Beim Bergabgehen sind wir dann etwas „angepisst“, wir sehen Heurige mit geilem Wienblick und rustikalem Essen, müssen dazu, dass wir das nicht erleben dürfen noch unseren Weg gefühlte drei Kilometer verlassen, damit wir zum Heurigen, wo R. und seine Frau sitzen, gelangen.

Es war aber dann ein super Heuriger, gutes Essen, guter Wein, M. und R.`s Frau verlassen uns – bei M. war es absehbar – wir haben nicht damit gerechnet, dass er eine Wanderung mit uns durchhält, aber auch R. nicht, es sieht so aus, als ob sie sich diese Challenge teilen würden – mit Abklatschen.

So einen richtigen Biss zum Wandern entwickeln wir vorerst noch nicht, bleiben noch beim Heurigen sitzen, auch mit der Kellnerin haben wir Spass, sie trägt das Ihre dazu bei, dass wir noch sitzen bleiben.

Irgendwann musste es dann doch sein, wir bereiten uns auf die Weiterwanderung vor.

Wir kommen allerdings nicht weit, beim „Weg zurück auf den Weg“ bleiben wir im „Hauptprostamt“ picken, auch sehr schön…

Wir schauen nur noch, dass wir irgendwie nach Strebersdorf gelangen, bleiben – mittlerweile schon dunkel – noch beim „Zum Weinbeisser“ und in der Pizzeria „Da Giovanni“ hängen, wo wir uns eine Pizza genehmigen und kommen etwas „angeschlagen“ zur Station Strebersdorf, von wo wir noch ins „Concerto“ fahren und den Abend ausklingen??? lassen.

Conclusio:

Stammersdorf ist super, in der Nacht gehen ist immer noch nicht ganz so schlau und M. hält nicht durch.

Die nächste Etappe IST die letzte Etappe.


Rund um Wien – Etappe 6

6. Etappe – Wir nehmen uns vor:

28. Oktober, 13:00, Treffpunkt Busstation Kirschenallee, die Mitte einer Teiletappe, wo wir zuletzt beendet haben, schauen wir mal, wie weit wir kommen, J. ist erst aus den USA zurückgekommen, vielleicht verträgt er den Jetlag ja nicht.

So läuft´s tatsächlich:

Wir treffen uns gegen 13:00 (ich denke, ich habe J. zu mehr Pünktlichkeit erzogen) und wir marschieren gleich den Telephonweg entlang dem Etappenziel entgegen. J. hat viel zu erzählen von Big Amerika, so sind die ersten Kilometer superschnell vorbei, wir merken zufällig, dass wir bereits die zweite Teiletappe gehen, immer im mittleren Schatten der gefühlten 74 Baukräne, die auf dem Areal der künftigen Seestadt Aspern stehen.

Wir rufen M., den Bruder von J., an, er wohnt ja unmittelbar bei der Seestadt, vielleicht ist er ja zufällig zu Hause, was weiß man – er ist nicht zu Hause, meint aber, wir sollen später noch einmal anrufen, vielleicht komme er noch nach.

Wir bewegen uns Richtung Etappenziel – irgendwo auf der Breitenleer Straße – unspektakulär, Natur, flach, interessante kleine „Siedlungen“ – die sehen aus wie: Wir sind die Enklaven, wir machen nicht mit beim Moloch Wien – dieses gesamte Areal hinter der Seestadt bietet sich zum Verbauen in ca. fünfzehn Jahren (da wird die Seestadt ja dann schon fertig sein) förmlich an, außer es siedeln sich bis dorthin Zieselkolonien oder seltene Käuze (:-)) dort an.

Kein Wirtshaus oder dergleichen weit und breit, obwohl auf unserem Rundumadum Führer (damit meine ich die von der Homepage ausgedruckten Schmierzettel) folgendes steht:

„Als Dank für den unermüdlichen Einsatz wurde vor ca. 300 Jahren für die Schwester des Abts ein Wirtshaus erbaut. Das war die Geburtsstunde des heutigen Lindenhofs.
Seit 1928 ist das Gasthaus im Familienbesitz der jetzigen Inhaber. In den 80er Jahren ließ Familie Kirner das geschichtsträchtige Wirtshaus ausbauen und gab ihm den heutigen Namen Lindenhof.“

Wir haben den Lindenhof nicht gefunden.

Na gut, trinken wir halt einmal das Flascherl. Ein vorbeifahrender Traktorfahrer winkt uns wohlwollend mit breitem Grinser zu.

Auch diese Teiletappe vergeht wie im Flug und wir beschliessen, noch eine dranzuhängen, es sind ja nur 3,7 Kilometer.

Kurz nach dem Start finden wir dann doch noch ein Gasthaus, integriert in einen Reiterhof, das Gasthaus heißt „Zum Paprikatarzan“ und wurde laut Kellnerin nach der Besitzerin – ungarischstämmig – benannt, den Tarzan haben wir dann nicht herausgefunden.

Nach der Labung gehen wir weiter und jetzt wird´s interessant – die Dunkelheit erwischt uns – aber voll und zwar in der Wildnis. Wir schaffen´s trotzdem bis Gerasdorf, und zum Glück ist das Etappenziel das Gasthaus „Zum Mato“ wo wir auch gleich zu Abend essen. Wir rufen M. an, ob er wohl so nett wäre, uns abzuholen, weil wir in der Dunkelheit unmöglich weitergehen können, er bejaht.

Wir warten, und es stellt sich heraus, M. hat uns belogen, er dachte, es wäre ein Scherz! Wir nicht, er steht sofort auf unserer Blacklist und wir fahren doch mit der Schnellbahn zurück, lassen den Tag noch im „Brandauers“ ausklingen.

Conclusio:

wenige Gasthäuser im 22. Bezirk, in der Nacht gehen ist „anspruchsvoll“ und auch Bekannte haben Platz auf der Blacklist.


Rund um Wien – Etappe 5

5. Etappe – Wir nehmen uns vor:

Samstag, 14.9.2013, Wettervorhersage: wenige und leichte Schauer in der Früh, ab Mittag strahlender Sonnenschein, passt genau – ein paar Tropferl vielleicht im Zentralfriedhof, danach werden wir ohne Stress schauen, wie weit wir in die Lobau kommen, wir müssen nur auf eine einzige Sache achten: bei einem Etappenziel fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel, aber so weit werden wir sowieso nicht kommen.

So läuft´s tatsächlich:

Die S-Bahn fährt um 10:45 nach Zentralfriedhof, ich bin schon gegen 10:15 in Wien Mitte, denke J, kommt wahrscheinlich gegen 10:44:52 und gehe noch zum Frisör, bin um 10:20 wieder fertig, mein Telefon läutet – J. ist bereits da, ja was ist da passiert? Nur – weg kommen wir natürlich noch nicht, wir müssen ja auf die S-Bahn warten.

Wir kommen sehr rasch in den Zentralfriedhof, gehen nicht direkt auf unser Ziel zu, sondern sehen uns noch einige Gräber an, ich denke, ich werde einmal an einer Führung durch den Zentralfriedhof teilnehmen, da gibt´s viel zu sehen. Interessant passend dazu der dezente Regen, der uns entlang der Gräber begleitet.

Wir verlassen den Friedhof und marschieren einen schmalen Weg zwischen Friedhofsgärtnereien entlang, Ostblockcharme und irgendwo im nirgendwo ein Schild „Kinderparadies“ – Paradiese sehen anders aus. Das Wetter wird besser, aber weit entfernt von Sonnenschein.

Weiter geht´s durch Kaiserebersdorf, es wird immer eigener, ich stelle Vergleiche mit meinem Urlaub in Bulgarien etwa ein Monat davor an, wo man Ostkultur erwartet und geliefert erhält – Kaiserebersdorf ist „noch viel östlicher“ – alte Wohnblöcke, sichtlich mitgenommen – Garagen mit gefühlten 1,70 Meter Höhe und einer fetten Betondecke darüber, wo man glauben kann, die bricht jeden Moment zusammen, beklemmend. Man könnte meinen: „Die Vergessenen der Stadt Wien“.

Ein kleines Stück weiter – Kleingartencharme – aber was für einer, Häuser direkt unter der Autobahn und ein Haus schießt den Vogel ab – der etwa 10 x 10 Meter große Garten ist besetzt von einem Hochspannungsmasten….. hier stellt sich die Frage: wer oder was war zuerst hier, denn, wenn es nicht die Häuser waren, frage ich mich schon, was Menschen veranlasst, sich hier anzusiedeln.

Jetzt kommen wir zu einem meiner Lieblingselemente – dem Wasser. Überqueren des Donaukanals, rauf auf das Kraftwerk Freudenau, hier schauen wir ein paar Ruderern und den Vögeln zu – Reiher, Raben und Möwen jeweils in vogelethnischer Gruppenbildung. J. sagt zu mir: „Tu was, ich möchte, dass die Möwen fliegen und ich sie filme“. Ich klatsche laut in die Hände und die Möwen fliegen. „Jetzt doch noch nicht, ich bin ja noch nicht bereit, tu was, damit sie sich wieder formieren“ klagt J., die Möwen formieren sich wieder, aber weit weg von uns.

Wir haben heute ein tolles Tempo drauf, die Donauinsel bis zur Steinspornbrücke haben wir schnell erledigt, von dieser Seite sehen wir am anderen Ufer die „Safari Lodge“ – bis wir direkt davor stehen, streiten wir über die Farbe dieses Hauses, J. versteift sich auf rot, ich sage orange. Wer J. kennt, weiß, auch wenn das Haus jetzt grün wäre, würde er sein erstgenanntes rot verteidigen 😉 Wir sind noch nicht übereingekommen, was jetzt stimmt.

Beim roten Hiasl gibt´s Lunch. Wanderlunch. Schnitzel mit Spritzer. Essen ist gut, die Tür geht auf, ein Pärchen kommt herein, die Frau telefoniert mit dem Tablet – ein witziges Bild, wir lachen, am Nebentisch sitzt ein Pärchen auch bei Schnitzel, schütteln den Kopf, er sagt zu uns rüber: „Wissen´s, mir san aus Hollabrunn, mir san heit do einagfoan und om Stodtonfong san Tofen, wo steht: Wien ist anders, do sicht mas“

Nach der Labung geht´s weiter, ab in die Lobau, in den Nationalpark Donauauen. Hier sind relativ viele Menschen unterwegs, wir gehen und gehen, bis wir es uns bei einem Wirtshaus, das natürlich zu hat, auf einem Tisch gemütlich machen und das Fläschchen leeren. Dazu regnet es leicht. Wie wir fertig sind, hört der Regen auf, wir wandern weiter. Wir sehen Moore, Schilf, Badelacken, eine Schildkröte – Natur pur in der Lobau, was ich in einem Nationalpark nicht erwarte, sind Schienen und kultivierte Äcker, warum gibt es die dort? Ein paar Läufer kommen uns immer wieder entgegen.

Wir gehen und achten nicht so ganz auf den Plan, folgen unaufhörlich unseren Markierungen (in der Lobau war wieder ein ganz ein braver Markierungsmensch unterwegs) bis wir der Meinung sind, dass wir schon sehr lange gehen, analysieren den Plan, fragen dann aber doch einen Wandersmann, der uns erklärt, dass wir bereits die nächste Etappe gehen. Da wir niemals zurückgehen, gehen wir natürlich diese Tour weiter – die selben Läufer wie vorher kommen uns wieder entgegen???

Total schön, zum Etappenende gehen wir über eine Holzbrücke, danach ein verlassenes Chinarestaurant, es fühlt sich an wie in einem Indiana Jones Film, ein asiatischer Tempel, verwuchert, verwachsen, es fehlen nur noch die Bösen (falls wir die Guten sind) und ein paar Äffchen.

Hier wollten wir am Anfang des Tages gar nicht sein, hier ist auch das Etappenziel, wo kein öffentliches Verkehrsmittel fährt! Zwei Gassen weiter wohnt mein Bruder, den wir bei der nächsten Tour als Labestelle eingeplant gehabt hätten, wir gehen natürlich hin, er muss uns ja sagen wo die nächste Öffistation ist, vielleicht stauben wir auch einen Spritzer ab. Niemand zu Hause. Ich rufe Ihn an, seine Frau erklärt mir telefonisch den Weg zum Bus. Wir schaffen noch fast die Hälfte der nächsten Etappe, dann haben wir uns im Gasthaus Kaffeemühle noch einen Spritzer verdient.

Wir rechnen nach: 24 Kilometer – Wahnsinn – RundUmWien Rekord von uns, nicht beabsichtigt. Zwei Drittel des Weges absolviert. Ich spüre Blasen an beiden Füssen. Wir fahren trotzdem noch in den Resselpark zum Buskersfestival. Die nächste Runde dann im Oktober.

Conclusio:

neue Schuhe vorher „eingehen“, ich will nicht nach Kaiserebersdorf ziehen, es haben kaum Wirtshäuser offen, wir sollten sorgfältiger auf den Plan schauen


Rund um Wien – Etappe 4

4.Etappe – Wir nehmen uns vor:

23. August, Treffpunkt 13:00 Rodaun, bis ungefähr Zentralfriedhof wird´s uns schon ziehen.

So läuft´s tatsächlich:

Um 12:57 sitze ich bei der Station Rodaun im Gras und benachrichtige J., dass ich bereits hier bin, Antwort J.: Ich fahr jetzt vom Wienerberg weg, bin in ca. 10 min. da. Ich stelle mich auf ca. eine halbe Stunde Warten ein – ich glaube, das nächste Mal setzen wir automatisch eine halbe Stunde früher an, damit WIR zur vereinbarten Zeit kommen. Mit WIR meine ich J.

Auch M., der Bruder von J. und noch ein M. haben sich für diese Tour angesagt, sind dann aber nicht erschienen (M., der Bruder von J. hätt´s wahrscheinlich eh nicht gepackt ;-)), K. weilt in Detroit (mit Flip Flops?)

40 Minuten später geht´s endlich los – entlang des Liesingbachs bis zum Ambrosweg (der ist doch noch gar nicht gestorben, oder?) immer weiter bis zum Bahnhof Liesing, wo wir gleich das erste Mal einkehren – auf Kaffee und Weckerl beim Bahnhofsbäcker.

Ab jetzt halten wir uns nur nach der Liesing, folgen Ihr einmal links, einmal rechts, einmal im Flußverbau, die Menschen, die wir hier treffen, erscheinen mir alle fahl, allein, ja fast morbide, keiner lacht oder zeigt Lebensgeist – ist aber nur von kurzer Dauer, nur entlang der Liesing bis Alterlaa, danach wirken die Menschen wieder „normal“. Dazu passt auch irgendwie das Lokal, das wir sichten: ein Metal-Gothic Heuriger namens „Dragon Flight“ – das war eine Musik- und Stilrichtung, die es glaube ich nur in unserer Altersklasse gab, daher wahrscheinlich auch ein Heuriger, weil man ja auch als Metaller und Gotiker älter wird und auch das Headbangen und Herrichten wegen Bandscheibenvorfällen und Gichtfingern immer schwieriger wird.

Vorbei geht´s am Steinsee – ein Teich mit vielen Hütten herum – schaut echt chillig aus, wir spinnen den Gedanken weiter, hier eine Hütte anzuschaffen, wird aber nie wieder Thema (bis jetzt gerade).

Es geht die Gutheil-Schoder Gasse hinauf an den ehemaligen Phillipswerken vorbei bis zum Budocenter bis wir endlich wieder in Grüngebiet einbiegen können, Erholungsgebiet Wienerberg, hier gönnen wir uns das obligate Flascherl gefüllt in Becher, ich kann auch die Gedanken der vorbeigehenden und -laufenden Menschen lesen – Wandersandler.

Ein paar Schritte weiter kehren wir gleich bei Chadims ein, wer weiß, wann die nächste Labestelle kommt, bisher waren sie heute sehr spärlich vorhanden. Cooles Lokal, super eingerichtet, toller Garten, gutes Hausbier, aber wenig Gäste – Geheimtip?

Wir gehen vorbei an den Heubergstätten zur Per Albin Hansson Siedlung, queren die Favoritenstrasse, und – stehen vor vielen Baucontainern, ich nehme an, die betreffen den U-Bahn Bau am Verteilerkreis Favoriten. Wir müssen irgendwie an diesen Containern vorbei, aber es ist alles eingezäunt, wir überlegen mal kurz. Erste Aktion nach dem Überlegen: J. setzt die Wiener Verkehrsbetriebe auf die Blacklist. Ein deutscher Arbeiter schaut aus einem Container (wohnt er darin?) und fragt, was wir hier wollen? Er sagt uns, wie wir hinter die Container kommen und weiter geht´s durch den Volkspark bis zur Laaerbergstrasse.

Hier entscheiden wir kurzerhand, einen Abstecher in den böhmischen Prater zu machen. Sehr viele Leute, wir setzen uns bei einem Wirten hin und wollen die Speisekarte sehen – selbst anstellen – wir bestellen nur zwei Spritzer, essen wird überbewertet. Beim Dosenschiessen plaudern wir mit dem Standler, wir haben „a richtige Hetz“ mit Ihm, verstehen ihn aber nicht :-).

Nicht satt gehen wir weiter Richtung Zentralfriedhof – es dämmert bereits, aber es wird endlich wieder grüner nach einer großteils „Stadtwanderung“ mit viel grau. Imposant und riesig ist der Verschiebebahnhof Kledering.

Wir stellen die Behauptung auf, dass das Tor zum Zentralfriedhof bereits geschlossen sein wird und fahren mit der S-Bahn in die Stadt, um Essen zu uns zu nehmen, das wir bei einem Kellner bestellen können, im Cafe Prückel.

Appendix: Nach dieser Etappe hatte J. Blutblasen, obwohl er keine Flip Flops anhatte.

Conclusio:

Diese Tour war eher eine „Stadttour“ mit vielen Häusern, die Mannen und Frauen von Ulli Sima sprechen nicht mit den Wiener Verkehrsbetrieben, die Deutschen erobern Wien und den Böhmischen Prater einmal zu sehen war super, es muss aber keine jährliche Auffrischung erfolgen.

nächste Tour geplant am 14. September


Rund um Wien – Etappe 3

3.Etappe – Wir nehmen uns vor:

14. Juni, Treffpunkt 13:30 Bahnhof Hütteldorf, mindestens zwei Etappen sollten wir schaffen, Rodaun wäre ein guter Endpunkt, da es dort viele Heurige geben soll 🙂

So läuft´s tatsächlich:

Um 13:25 teile ich J. per SMS mit, dass ich bereits beim Bahnhof Hütteldorf sei, im Retour SMS erfahre ich, dass J. sich verspäten wird – kenn ich kaum von Ihm ;-)…, weiters hatte er angekündigt, dass K. mitgehen werde – ich dachte mal an meinen Cousin K., bis ich beim Bahnhof Hütteldorf angesprochen werde: „Hallo, bist Du der Ernst, ich bin K.“ Ja, aber welche Kennzeichen hat Ihm J. wohl gesagt, sodass er mich erkannte – und das frage ich Ihn gleich. „Wartet mit Rucksack vor dem Haupteingang zum Bahnhof und hat etwas schütteres Haar“ (später von J. richtiggestellt – ein Glatzerter mit Rucksack) – egal, K. wirkt symphatisch, dass er die Strecke mit Flip Flops bewältigen will, da er keine brauchbaren anderen Schuhe hat (?!) , finde ich gewagt.

Endlich kommt auch J. und wir gehen gleich los. Da J. fast direkt beim Hütteldorfer Bahnhof gewohnt hat, schaue ich nicht wirklich auf den Weg, weil er ihn ja kennt – sehr sicher war er dann doch nicht, aber es war richtig, wir waren bald beim Nikolaitor und enttäuscht – unter dem Namen Nikolaitor haben ich und K. uns einen pompösen russenarchitektonischen Triumphbogen vorgestellt – es war ein Tor, wie es in unserem Dorf jedes zweite Haus als Einfahrtstor hat – vielleicht gebe ich denen auch Namen.

Jetzt sind wir im Lainzer Tiergarten, sieht gemütlich aus, Familien mit Kinderwagen wandern dort und wir sind schon gespannt, ob wir auch Wildschweine sehen werden, vor dieser Etappe gab es ja bereits gruselige Lagerfeuergeschichten, wo angeblich Bekannte von J. im Lainzer Tiergarten ein Picknick bestritten, sich dabei die Leiberl auszogen, bis die Wildschweine einfielen und das gesamte Essen vom Korb und Decke okkupierten sowie als quasi Siegestrophäe die Leiberl in pig-washed Gewand verwandelten.

Und dann sind sie auch schon zu sehen, in schöner Entfernung, einige im Wald. Es ist recht lustig, bis… eine Familie mit Kinderwagen, die zur gleichen Zeit wie wir – einen anderen Weg – weggegangen waren, daherschlendern. Was war passiert, haben die eine Abkürzung durch ein Wurmloch genommen? Sie sehen unsere Bestürzung und bleiben mitleidshalber stehen, sodass wir vor Ihnen die Kreuzung passieren können. Sollen wir sie auf die Blacklist setzen? Dazu gibt es NOCH zu wenige Gründe…

Wir gehen zum Rohrhaus, J. möchte essen, wir alle sind durstig, es ist Zeit für einen Spritzer. Bratwürstel sind aus, also isst J. kalt, der Spritzer ist grauslich, aber der zweite wird dann schon schmecken – hier nicht, der ist noch grauslicher.

Wir gehen weiter und nach einer Biegung steht sie da, kaum fünf Meter weg von uns – die Wildsau. Wir bleiben stehen und überlegen ohne hastige Bewegungen: stehenbleiben, ruhig weitergehen, davonlaufen oder kämpfen, diese Möglichkeiten haben wir. Ich greife einmal nach einem Holzprügel, wir wählen aber dann doch statt kämpfen das Weitergehen und nichts passiert, das Wildschwein hat von uns kaum Notiz genommen.

Wir kommen zur Hermesvilla, die Familie mit Kinderwagen ist natürlich schon da… vier Männer fotografieren mit riesigen Kameras alles rund um die Hermesvilla, angefangen mit dem „Putto mit Krokodil“ – (ich hab das ganze Wochenende gesucht, was das Krokodil in Österreich von ca. 1886 zu suchen hat, hab die Bedeutung nicht gefunden).

Hier bleiben wir wieder sitzen und öffnen die Flasche Pinot grigio, die ich mithabe. Leider habe ich nur zwei Becher (wie unästhetisch, aber J. hat die Picknickkorbweingläser vergessen) eingepackt, aber K. – Mac Gyver bastelt aus einer leeren Wasserflasche einen dritten Becher und zu einer Zigarettenlänge ist die Flasche auch schon verputzt und weiter geht´s zum Lainzertor.

Hier war uns danach, ein Stück in bewohntem Gebiet zu latschen, das haben wir dann auch so getan (wir vergehen uns nämlich nicht!!!, wenn uns danach ist, etwas anderes zu sehen, machen wir das halt so, aber vergehen werden wir uns nicht ;-))

Also wieder alles zurück und auf den richtigen Weg und weiter geht´s mit Rotwild, Wildschweinen, die einen Fuchs vertreiben, und kein Tier interessiert sich für Dich – ausser das kleinere Getier, Käfer und Schlangen stellen sich tot direkt vor uns, im ersten Moment noch quirlig unterwegs, schmeisst sich der Käfer auf den Rücken und die Blindschleiche rührt sich nicht mehr, komische Geschichte.

K. findet grosse Wurzeln, muss sie erklimmen und : https://vine.co/v/bl9VF5K2nAM?fb_action_ids=10201583423976036&fb_action_types=vine-app%3Apost&fb_source=aggregation&fb_aggregation_id=288381481237582

er ist der König der Welt.

Wir gehen weiter und sind beim Gasthaus Schiessstätte (wieso wir dort sind, weiss ich jetzt, zwei Tage danach, auf einmal nicht mehr so genau, wenn ich mir den Plan genauer anschaue – möglicherweise hat der Wirt den Weg umgeleitet??), wo wir uns verdienterweise ein paar Spritzer genehmigen, bis wir nix mehr serviert kriegen, weil Sperrstund´ is – um 19:30… na ok, weiter geht´s – wir müssen ja jetzt irgendwie von der Maurer Lange Gasse zum Kalksburger Graben kommen, aber wie??? Wir fragen ein Pärchen, total ausführlich erklärt ER uns, wie wir dort hinkommen, und zwar zuerst zur Votrubakirche gleich ums Eck, dahinter ist der Sterngarten, dort hat er uns jeden Busch beschrieben, ich glaub, der war schon oft in den Büschen hinter der Votrubakirche… Auf jeden Fall waren sie sehr verwundert, dass jemand die Votrubakirche nicht kennen kann, wie wir sie dann sehen, wissen wir warum, die ist wirklich einzigartig, K. tauft sie Betonhenge. Ein bisschen irren wir in den Büschen vom Sterngarten herum, dann kommen wir wieder auf den Weg und bald sind wir in Kalksburg – hoffentlich werden wir nicht ins österreichische Pendant der Betty Ford Klinik eingewiesen, aber zum Glück schwindeln wir uns ohne Vorkommnisse entlang der „Reiche Liesing“ bis Rodaun.

Ende der Tour – wir suchen einen Heurigen in Perchtoldsdorf und laben uns dort bis zur Sperrstunde, ein Kumpel, E. kommt noch vorbei und bringt uns noch zur U-Bahn, wir entscheiden uns, den Abend noch im Cafe Concerto ausklingen? zu lassen.

Conclusio:

K. passt genau dazu, der Weg ist zwar mit Flip Flops zu bewältigen, ist aber nicht ratsam (Blut, Blasen), Sissi war die Hermesvilla wahrscheinlich etwas zu wenig dekadent, der 23. Bezirk ist nicht nur Industrie und Südosttangente, sondern auch Villen und schöne Grätzl und ich mag noch immer keine Heurige, wo man sich ums Essen selbst anstellen muss.


Rund um Wien – Etappe 2

2.Etappe – Wir nehmen uns vor:

Termin: 18. Mai, 9:00 Treffpunkt Heiligenstadt, rauf zum Häuserl am Stoan, danach einige Etappen – Minimum bis Hütteldorf, realistisch bis Lainzer Tor, wir haben ja den ganzen Tag Zeit.

So läuft´s tatsächlich:

Wettervorhersage für diesen Tag: vormittags noch kleinere Restschauer, ab mittags Sonnenschein. Wir treffen uns ziemlich pünktlich um 9:00 in Heiligenstadt, suchen den Bus nach Grinzing, fahren bis zur Endstation und los geht’s, den Weg vorbei beim besoffenen Heurigenwirt (hatte leider zu ;-)) und einer Riesenvilla, wo eine Dame am Volant eines Riesenautos herausgefahren kommt und weiter den Wanderweg hinauf. Dauert doch ca. 20 Minuten, bis wir beim Häuserl am Stoan sind, hier dürfen die Tiere im Freien grasen, es sieht so aus, als ob die Tiere hier oben grundsätzlich alle frei sind und nur für die Touristen und Wanderer eingesperrt werden, um keine Abweichungen der Normen zu provozieren.

Wir gehen los zum Hameau, war früher ein „Holländerdörfl“ mit 17 Holländerhütten – eine steht noch, weiter zur Schwarzenbergallee zum Schwarzenbergpark und  zur Marswiese. Hier sind jede Menge Menschen unterwegs. Irgendwo dazwischen steht ein Denkmal von Karl Lueger – wahrscheinlich vergessen worden, mit dem Luegerring ausgelöscht zu werden.

Die Waldwege sind allesamt nass und schlitzig und jede Menge Viecher kommen heraus, die stechen auch – interessanterweise nur mich und nicht J. Sehr bald erreichen wir den Schottenhof und gehen gleich weiter bis zur Kreuzeichenwiese. Hier muss ja irgendwo die Jubiläumswarte stehen, die wollen wir erklimmen. Wir gehen weiter und fragen zwei Wandersfrauen, wo die denn steht, die Jubiläumswarte. „Da müssen Sie den Weg zurückgehen zur Kreuzeichenwiese, dann im Halbbogen links gehen und hinter den Bäumen, da muss man ein bisschen schauen, steht die Jubiläumswarte“ – alles klar? Wir gehen brav zurück zur Kreuzeichenwiese, im Halbbogen links und dann schauen wir hinter den Bäumen und schauen und… schauen. Wir setzen uns auf ein Bankerl und genehmigen uns ein Achterl in einem Plastikbecher. Googlemaps funktioniert hier nicht so gut, wir fragen die nächste Wandersfrau, wo jetzt die Jubiläumswarte sei. „Also oben bei der Kreuzeichenwiese im Halbbogen rechts…..“  – von dort hat uns die andere Wandersfrau hergeschickt?! Wir riskieren´s und finden sie.

Blöde zwei Gurken – sie sind sofort auf der Blacklist.

Wir erklimmen die Warte und genehmigen uns ein Achterl. Geiler Ausblick. Interessant ist ein Dorf das aussieht wie ein Rechteck in den Wald gedroschen.

Feuerwache Steinhof. Kurz davor beginnt es voll zu schütten. Mittags Sonnenschein? Wo ist ein Wirtshaus? So stehen wir beim Eingang zu Erholungsgebiet Steinhof und warten, neben uns eine geführte Kräuterwanderungsgruppe, die ebenfalls wartet. „Wir gehen bei jedem Wetter“ sagen sie.

Wir warten noch kurz zu, gehen dann aber auch im Regen weiter, eh wurscht. Irgendwann kommt das Schutzhaus Rosental, da kehren wir ein auf ein Mittagsmahl, ist eh schon zwei Uhr. Alles nass – durch die zwei Blacklist Wandersfrauen haben wir ca. eine dreiviertel Stunde verloren – wir wären trocken angekommen. Essen ist gut, Livemusik ist schlecht, Wetter wird gut und wir gehen weiter. Am Anfang vom Dehnepark hängt eine Tafel, ich begutachte die Wege durch den Dehnepark, es beginnt ein Weg, der teilt sich in viele auf, führt aber am anderen Ausgang des Parks wieder zu einem Weg zusammen. – Also vollkommen egal, wie man geht, man kommt dort raus, wo man will. Wir gehen an der Ruinenvilla vorbei und J. ist sich des Weges unsicher. Ich erkläre Ihm die Sachlage, aber entweder glaubt er mir nicht oder er hört mir nicht zu. Egal. „Ich glaube aber, wir müssen diesen Weg nehmen“ meint er. Alle richtig und wir kommen auch richtig an.

In Hütteldorf kommen wir in städtisches Gebiet und J. kennt sich hier gut aus, er hat in diesem Gebiet einmal gewohnt. Wir entschliessen uns, das Rapideum, das neue Rapidmuseum zu besuchen, gehen durch die Traube Rapidspieler, die auf den Mannschaftsbus nach Mattersburg warten, durch, ich sage zu J., dass ich nur Boyd, Sonnleitner und Pichler kenne, er sagt „Ah, das waren Spieler?“ – Sie haben wirklich keine Ausstrahlung.

Im Rapideum verbringen wir ca. eineinhalb Stunden und wir entschliessen uns dann, für heute abzubrechen, fahren mit der U-Bahn zurück von Hütteldorf nach Heiligenstadt (wir haben keine Schnellbahn gefunden), und leeren noch den Rest vom Wein in der U-Bahn. Es setzt sich keiner zu uns…

Conclusio:

eine Blacklist zu generieren war richtig, der Beschilderer der Etappen 3, 4 und 5 war pflichtbewusster als der von 1 und 2 und wir stecken uns die Ziele meist höher als wir sie erreichen, das macht aber nichts, hier ist nicht nur der Weg das Ziel, sondern auch die Sidesteps.

Next Tour – comming soon.


Rund um Wien – Etappe 1

1. Etappe – Wir nehmen uns vor:

Der erste Termin: 10. Mai, ein Freitag und dazu Fenstertag, Treffpunkt nach der Arbeit 13:00 am Bahnhof Heiligenstadt, Strecke Daumen mal Pi von Heiligenstadt nach Hütteldorf, etwa 25 Kilometer, das hört sich doch realistisch nach einer gemütlichen Nachmittagsetappe an.

So läuft´s tatsächlich:

Wir treffen uns gegen 13:15 in Heiligenstadt, beide nicht zu 100% fit, gehen zum Startpunkt in Nussdorf und dort sehen wir das erste Schild des Rundumadum Weges. Ab hier folgen wir dem Wegweiser –  jetzt weiss ich auch, was diese zackig eingezeichneten Abschnitte, die am Plan wie Ausschläge auf einem Börsenchart aussehen, darstellen soll – der Weg führte steil  (und mit steil meine ich steil) – in Serpentinen rauf auf den Leopoldsberg zuerst zur Kirche auf dem Leopoldsberg – die hat natürlich geschlossen, wie wir bei einer Umrundung der Aussenmauern feststellen, danach passieren wir das Denkmal für ukrainische Kosaken????????? (es tut sich hier natürlich die Frage auf, wer erhält warum ein Denkmal, es könnten auch Denkmäler für usbekische Kreuzritter oder vegetarische Sudetendeutsche errichtet werden) – natürlich wird das schon so seine Berechtigung haben!!!

Der Hunger treibt uns vorbei am Waldseilpark Kahlenberg zur Josefinenhütte, wo wir uns kurz stärken wollen. Wir wählen jeweils „schnelle“ Speisen, damit wir rasch weiterkommen würden, weil wir ja noch ein schönes Stück vor uns haben. Nach etwa 40 (in Worten vierzig) Minuten kommt dann endlich das Essen, wir urgieren zweimal, die Kellnerin hatte vergessen…. (sie erzählt uns, dass sie in der Regenzeit (?) den Jakobsweg nach Compostela gegangen ist -ok, schön, trotzdem kostest du uns eine gefühlte Stunde auf unserem Weg nach Hütteldorf) – weiter geht´s – wir sollten jetzt an der Stefaniewarte vorbeigehen….. wir wählen (beinahe bewusst) einen parallel verlaufenden Weg, stossen bald wieder (beinahe bewusst) auf den korrekten Weg und wandern bis zum Cobenzl (mitten auf einer Wiese stellen wir uns die Frage: Wenn wir uns hier verlaufen hätten, wie würden wir hier wieder rausfinden? Wir würden M., den Bruder von J., der ebenfalls mitgehen wollte, aber noch absagte (O.Ton J.: Des hät er eh net gschofft) anrufen und sagen: M., hol uns bitte ab, wir sind gerade aus einem Waldstück auf eine Wiese gekommen, haben einen geilen Blick auf Wien und sehen das AKH sehr gut. M. meinte später dazu: Ich glaub, ich hätt euch wirklich gefunden).

Am Cobenzl halten wir uns nicht lange auf – bis Hütteldorf ist´s schliesslich noch weit – Kreuzeiche, Jägerwiese – hier kommen wir aus dem Wald und es grasen freilaufende Pferde und Esel – steiler Anstieg – und mit steil meine ich steil – zur Habsburgwarte auf dem Hermannskogel – geschlossen. Es beginnt zu tröpfeln, runter bis zum „Grüss di Gott Wirt“ – geschlossen, es schüttet, weiter bis zum „Häuserl am Roan“ – geschlossen, Ende der zweiten Etappe, 300 Meter weiter bis zum Häuserl am Stoan. Durchgenässt.

Wir beschliessen, im Häuserl am Stoan zu Essen, den starken Regen abzuwarten und uns ein paar Spritzer zu genehmigen. Ist total lustig da, beim Zahlen kommen wir auf sieben Spritzer, der Kellner auf fünf, also zahlen wir sechs 🙂 , doch zu Regnen hat es nicht aufgehört, also beschliessen wir, einen etwa halbstündigen Wanderweg nach Grinzing zu nehmen, es ist ja auch schon etwa halb neun, bis Hütteldorf wollen wir dann im Regen auch nicht mehr gehen ;-))

Der Wirt will uns mit Stirnlampen und sonstigem Behelf für Wanderer in der Nacht ausstatten, wir lehnen natürlich dankend ab. Draussen auf dem Parkplatz sind zwei Kerle – super, die können uns mit in die Stadt nehmen – sie tun es nicht… Wir wandern also einen Weg runter Richtung Stadt (wir nehmen den Weg, den uns der Kellner empfiehlt, der kommt am Vertrauensvollsten rüber), der Weg ist durch die Lichter der Stadt dämmrig-hell (was macht der Wirt, wenn es wirklich dunkel ist??) und nach einer halben Stunde kommen wir in Grinzing heraus, wir besuchen den ersten Heurigen, den wir sehen.

Die Szene im Heurigen: ein besoffener Heurigenwirt, ein Gast in Wandermontur (ich bezweifle, dass der wandern war) und leiser Zusammenräumlärm aus der Küche. „Mir hom scho zua“ – „Mir tatn nur gschwind zwa Gspritzte trinken“ besoffener Wirt schreit in die Küche „Schenk zwa Gspritzte ei“ ,seine Frau?/Küchengehilfin?/Abwäscherin?: „mir hom oba scho zua“. Wortlos erhalten wir trotzdem die Spritzer und kommen mit den Herren ins Gespräch. Wir wollen zahlen, der Wirt sagt „No, trinkts hoid no zwa“, wir lehnen ab, fragen nach der nächsten Bushaltestelle (50 Meter ums Eck) und fahren zu J. nach Hause, wo wir bei einer Flasche Wein plaudern und auch den Tag noch einmal anschauen.

Conclusio:

superlustige Wanderung, wir schafften Etappe 1 und 2, totalgrünes Wien von einer Seite, wie man es sonst nicht sieht, Hütteldorf war an diesem Tag ausserhalb der Reichweite und eine Blacklist wird erstellt, darauf stehen: die Jakobswegkellnerin, die uns viel Zeit gekostet hat und die zwei Kerle, die uns nicht in die Stadt mitgenommen haben.

Ich freu mich schon auf die nächste Tour.


Rund um Wien – Wie alles begann

Eines Tages war da die Einladung zum Feiern des Geburtstages meines Freundes J., er wollte Paintballspielen, danach Essen und Trinken, die Zeche aber nicht bezahlen, sondern einfach nur Zeit mit uns verbringen, aber er wollte auch keine Geschenke.

Ohne Geschenke zu einem 40er kommen – ich weiß nicht. Andererseits hat er Geschenke explizit abgelehnt. Was tun?

Die Idee: so ein Mittelding aus Geschenk und nichts, eine Wanderung und ich nehme den Wein mit.

Wir hatten es uns schon länger vorgenommen – eine Wanderung – vielleicht irgendwo im 19.Bezirk – vielleicht Cobenzl, vielleicht abends… das nahm ich her, fand Wanderungen quer durch Wien, innerhalb Wiens und… RUND UM WIEN – that´s it.

Diese Wanderung besteht aus 24 Einzeletappen, die wir sicher zusammenfassen werden. http://www.natuerlichwien.at/rundumadum/dergruenguertel